Name

Gsell, Johann Caspar Julius

Variants
Gsell, Jean Gaspard Jules · Gsell, Johann Kaspar Julius
Birth and Death
St. Gallen 1.8.1814–4.2.1904 Meudon
Author and year of editing
Katrin Kaufmann 2026
Locations With Objects
Biographical Data

Johann Caspar Julius Gsell wurde am 1. August 1814 in St. Gallen als Sohn von Jakob Laurenz Gsell (1786–1870) und Susanna Martha Schobinger (1793–1875) geboren. 1833 begann er in Genf an der École de dessin eine künstlerische Ausbildung, siedelte jedoch bereits ein Jahr später nach Paris über. Dort studierte er an der École nationale supérieure des Beaux-Arts, vor allem beim Historienmaler Paul Delaroche (1797–1856). In der französischen Hauptstadt war Gsell als Maler, Porträtist und – wie schon sein Vater – als Lithograf tätig. Ab 1835 stellte er regelmässig am Pariser Salon aus. Anfang der 1840er-Jahre wandte er sich zudem der Glasmalerei zu, die damals eine bedeutende Wiederbelebung und neue Wertschätzung erfuhr.
Für das Glasmalerei-Atelier der von Georges Bontemps (1799–1883) geleiteten Verrerie de Choisy-le-Roi entwarf Gsell Fenster für mehrere Pariser Kirchen sowie für die Kirche Notre-Dame in Bonsecours bei Rouen. 1846 gründete er gemeinsam mit Pierre-Charles Marquis (1798–1874) die Firma «Gsell et Marquis», die das Glasmalerei-Atelier von Karl Hauder und André in der Rue des Amandiers-Popincourt 40 übernahm (Gazette des tribunaux, 23./24.3.1846, S. 508 (512)). Bereits nach weniger als einem Jahr wurde das Unternehmen wieder aufgelöst. Gsell ging daraufhin eine neue Partnerschaft mit Émile Laurent (1802–1863) ein, einem Drucker und Verleger, der 1842 die Glasmalereiwerkstatt von Alexandre Billard in der Rue Neuve-Ménilmontant 15 übernommen hatte (vgl. Cabezas, 1996). Die am 31. März 1847 gegründete Firma «Laurent, Gsell et Cie» (Gazette des tribunaux, 10.4.1847, S. 588) war über viele Jahre an der Rue Saint-Sébastien ansässig (zunächst Nr. 19, später Nr. 21 und schliesslich Nr. 43).
Nach dem Weggang Bontemps’ aus Choisy-le-Roi konnte das Atelier 1848 den Glasmalerei-Auftrag für die Kirche von Bonsecours übernehmen. In den 1850er-Jahren stabilisierte sich die wirtschaftliche Lage der Firma und sie entwickelte sich zu einem florierenden Betrieb mit zahlreichen bedeutenden Aufträgen in Paris, der Normandie und der Schweiz. Im Dezember 1859 heiratete Gsell Adèle Caroline Laurent (1834–1919), die Tochter seines Geschäftspartners; im selben Zuge wurde die Firma unter dem Namen «Laurent et Gsell» neu organisiert (Gazette des Tribunaux, 23.12.1859, S. 1252). Nach dem Tod Laurents im Juli 1863 führte Gsell den Betrieb unter dem Namen «Gsell-Laurent» allein weiter. Spätestens ab 1874 befand sich das Atelier an der Rue du Montparnasse 23.
Gsell blieb bis zum Sommer 1890 aktiv im Unternehmen und verkaufte es im März 1892 an seinen Sohn Albert Gsell (1867–1951), der ebenfalls als Maler und Glasmaler tätig war und den Betrieb an einem neuen Standort weiterführte. Caspar Gsell starb am 4. Februar 1904 in Paris im Alter von beinahe 90 Jahren.
Das Glasmalerei-Atelier «Gsell-Laurent» gehörte während seiner über vier Jahrzehnte währenden Tätigkeit zu den renommierten Werkstätten Frankreichs. Es nahm an sämtlichen seit 1851 in London und Paris veranstalteten Weltausstellungen sowie an weiteren internationalen Ausstellungen, etwa in Bordeaux und Rom, teil und wurde mehrfach ausgezeichnet. Mit rund 30 Mitarbeitenden zählte das Atelier zu den mittelgrossen Betrieben seiner Branche (Archives nationales, F/12/3367, Commissariat général, Exposition universelle de 1878 à Paris, section française, comités d’admission, classes 19). Es schuf Glasmalereien für mehrere hundert Kirchen und andere Gebäude in Frankreich; weitere Werke sind in Belgien, der Schweiz sowie ausserhalb Europas – etwa in Kuba, Mexiko und Venezuela – erhalten. Das Œuvre des Ateliers umfasst Ornament-, Medaillon- und Bildfenster in unterschiedlichen Stilen, die teils umfangreiche und ikonografisch komplexe Zyklen bilden. Gsell war von Beginn an für die künstlerische Leitung des Ateliers verantwortlich und fertigte den Grossteil der Entwürfe selbst an. Mehrere hundert seiner Entwurfszeichnungen werden heute im Musée Carnavalet in Paris aufbewahrt; weitere befinden sich im Kunstmuseum St. Gallen.

Literature

Cabezas, H. (1996). L’atelier de vitraux parisien Billard-Laurent-Gsell, 1838–1892. Cahiers de la Rotonde, (17), 163–173.

E. A. Seemann. (1922). Gsell, Caspar. In U. Thieme & F. C. Willis (Hrsg.), Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart: XV (S. 158).

Gsell-Laurent. (1881). Peinture sur verre, vitraux d’église et d’édifices civils, Gsell-Laurent [Inserat mit Werkverzeichnis]. Revue de l’art chrétien, 14/31(1).

Rapp, A. (1981). Eine Ehrengabe an Johann Konrad Kern, Paris 1857. Der Glasmaler Johann Caspar Gsell als Entwerfer von Silberarbeiten. Zeitschrift für schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte, (4), 317–325.

Treydel, R. (2009). Gsell, Caspar. In Allgemeines Künstlerlexikon (AKL) (Bd. 64, S. 36). Walter de Gruyter.

Citation suggestion
Kaufmann, K. (2026). Gsell, Johann Caspar Julius. In Vitrosearch. Retrieved April 30, 2026 from https://www.vitrosearch.ch/persons/2710975.